Kommentar

„Bierclub Feuerwehr“ – wenn wir das Klischee selbst nähren und das Image untergraben

Es ist ein altbekanntes Bild: Feuerwehr und Bier – zwei Begriffe, die in der öffentlichen Wahrnehmung erstaunlich oft gemeinsam auftreten. Kaum ein Dorffest ohne Ausschank, kaum ein Feuerwehrfest ohne gesellige Runde. Daran ist zunächst nichts Verwerfliches.

Dies war der „kritische Kommentar“ aus der Ausgabe 3/2026 vom Juni 2026.

Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Feiern nach getaner Arbeit gehören seit jeher zur Kultur vieler Feuerwehren – und vielen anderen Institutionen, wo Menschen aufeinandertreffen. Und doch lohnt sich ein genauerer Blick darauf, wie wir uns selbst darstellen – gerade in einer Zeit, in der Öffentlichkeitsarbeit längst nicht mehr nur am Festzelt stattfindet, sondern vor allem in sozialen Medien. Da geht‘s zur Zeit der Festlichkeiten oft leider dermaßen bunt, dass es schon bedenklich wird, dass die Verantwortlichen das von ihren Nachwuchsproduzenten durchgehen lassen.

Selbst noch Öl ins Feuer gießen

Denn während vielerorts betont wird, wie sehr man sich gegen das Klischee des „biertrinkenden Feuerwehrlers“ wehrt, entstehen parallel dazu genau jene Bilder, die dieses Klischee nicht nur bestätigen, sondern aktiv verstärken. Videos zur Bewerbung von Feuerwehrfesten zeigen gerade in letzter Zeit wieder Kameradinnen und Kameraden, die aus allen Richtungen aufspringen, sobald eine Bierflasche geöffnet wird. Haben wir das wirklich not und beschweren uns im gleichen Atemzug, wenn das Klischee einfach nicht weichen will? Und das steht in keinerlei Verbindung mit Spießigkeit oder fehlendem Humor. Vielmehr lässt die Vermutung des nicht Nachdenkens aufkommen.

Richtig „Fett“ sein

Andere Clips werben augenzwinkernd damit, dass man „richtig einen über den Durst trinken“ könne, wenn man nur zum Fest komme und man hier die Möglichkeit habe, mal wieder so richtig „fett“ zu sein. Humorvoll gemeint, gewiss. Aber auch unbedacht?

Die Frage, die sich hier stellt, ist ebenso simpel wie unbequem: Darf man sich wirklich über ein Klischee beklagen, das man selbst regelmäßig und schon fast mit „Gewalt“ bedient? Was macht das mit dem Vertrauen in unsere Organisation? Wir sind kein Kindergarten, wenngleich dort und da die Vielfalt an Menschen durchaus mal den Eindruck erwegen mag (aber es hier zum kleinen Trost allen Organisationen, Vereinen und Institutionen nicht anders geht, auch wenn es kaum jemand zugeben würde).

Die Macht der Bilder – und ihre Nebenwirkungen

In der heutigen Medienlandschaft wirken Bilder in den meisten Fällen stärker als Worte. Ein kurzer Clip, ein prägnanter Slogan – und schon ist ein Eindruck gesetzt. Gerade junge Menschen, die potenziell für den Feuerwehrdienst gewonnen werden sollen, nehmen diese Eindrücke auf. Ebenso wie die breite Öffentlichkeit, die die Feuerwehr nicht nur als Retter in der Not, sondern auch als gesellschaftliche Institution wahrnimmt.

Wenn jedoch der Eindruck entsteht, dass Feuerwehrfeste primär Orte exzessiven Alkoholkonsums sind, verschiebt sich das Bild. Weg von Professionalität, Verantwortungsbewusstsein und Einsatzbereitschaft – hin zu einer eher zweifelhaften Feierkultur. Das mag überzeichnet sein, doch Klischees leben genau von solchen Überzeichnungen.

Dabei ist die Realität eine andere: Feuerwehrdienst bedeutet Ausbildung, Disziplin, Teamarbeit und oft auch persönliche Opfer. Wer sich ehrenamtlich engagiert, übernimmt Verantwortung – für andere und für sich selbst. Dieses Bild verdient es dann doch viel mehr, im Vordergrund zu stehen. Und nicht der Akt des Feierns und des Bierclubs, der dem Gerstensaft verfallen ist.

Humor ja – aber mit Haltung

Natürlich darf Öffentlichkeitsarbeit auch unterhaltsam sein. (Hoffentlich) kaum jemand verlangt heute nur mehr sterile Imagefilme ohne jede Emotion. Humor kann Brücken bauen, Aufmerksamkeit erzeugen und Sympathie schaffen. Doch entscheidend ist, worüber gelacht wird – und auf wessen Kosten.
Wenn der Witz darin besteht, sich selbst als trinkfreudige Truppe darzustellen, die jede Gelegenheit zum Alkoholgenuss nutzt, stellt sich die Frage nach der Grenze. Wann wird aus Selbstironie Selbstkarikatur? Und wann kippt ein augenzwinkernder Gag in ein Bild, das mehr schadet als nützt?

Es geht nicht darum, den Spaß zu verbieten. Es geht darum, ihn bewusst zu gestalten. Eine Feuerwehr, die sich selbst ernst nimmt, darf durchaus lachen – aber sie sollte sich dabei nicht kleiner machen, als sie ist.

Verantwortung in der Außendarstellung

Öffentlichkeitsarbeit ist kein Selbstzweck. Sie dient dazu, Vertrauen zu schaffen, Nachwuchs zu gewinnen und die Bedeutung der eigenen Arbeit sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten, in denen freiwilliges Engagement nicht mehr selbstverständlich ist, kommt der Außendarstellung eine zentrale Rolle zu.
Wer hier unreflektiert auf einfache, schnell wirkende Gags setzt, riskiert langfristig mehr, als er kurzfristig gewinnt. Denn ein einmal gefestigtes Bild lässt sich nur schwer korrigieren. Und wer immer wieder selbst Öl ins Feuer gießt, darf sich nicht wundern, wenn die Flammen hochschlagen.

Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein

Vielleicht liegt die Lösung nicht darin, das Klischee krampfhaft zu bekämpfen, sondern darin, ihm schlicht die Grundlage zu entziehen. Indem man zeigt, was Feuerwehr wirklich ausmacht: Kompetenz, Engagement, Vielfalt. Indem man Geschichten erzählt von Einsätzen, von Ausbildung, von Gemeinschaft – jenseits des Bierausschanks.

Das bedeutet nicht, Traditionen aufzugeben. Feuerwehrfeste sind ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens vieler Gemeinden. Sie bringen Menschen zusammen, stärken den Zusammenhalt und sind oft auch eine wichtige Einnahmequelle. Aber sie sollten nicht das einzige Bild sein, das nach außen dringt – und schon gar nicht in einer Form, die das eigene Ansehen untergräbt.

Fazit

Wer ein Klischee loswerden will, sollte aufhören, es selbst zu bedienen. Das klingt banal, ist aber in der Praxis offenbar schwieriger, als man denkt. Es erfordert ein gewisses Maß an Selbstreflexion – und den Mut, auch einmal auf den schnellen Lacher zu verzichten.
Die Feuerwehr steht für weit mehr als gesellige Abende im Festzelt. Sie steht für Verantwortung, Einsatz und Zusammenhalt. Dieses Bild zu vermitteln, ist Aufgabe aller – auch und gerade in der Öffentlichkeitsarbeit. Oder, um es zugespitzt zu formulieren: Wenn wir wollen, dass man uns ernst nimmt, sollten wir damit anfangen, uns selbst ernst zu nehmen.

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